perjantai 12. helmikuuta 2016

Immuntherapie als große Hoffnung im Kampf gegen Tumore


 





Folgen der Immuntherapie im Schaubild: T-Zellen bekämpfen eine Tumorzelle. Doch manchmal gelingt es Krebszellen, das Immunsystem auszutricksen.
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Folgen der Immuntherapie im Schaubild: T-Zellen bekämpfen eine Tumorzelle. Doch manchmal gelingt es Krebszellen, das Immunsystem auszutricksen.

Die Immuntherapie lässt Krebskranke hoffen. Doch die Idee, eigene Helferzellen zu aktivieren, ist noch in vielen Teilen unverstanden.
Berlin.  Es werden einige Wundergeschichten über den Einsatz von Immuntherapien bei Krebs erzählt. Wie die von dem jungen Mann mit Lungenkrebs im Endstadium, inoperabel. Bei ihm bildet sich der Krebs jetzt langsam zurück. Solche Nachrichten wecken große Hoffnungen bei Betroffenen und Angehörigen. Manche Experten sprechen von sensationellen Erfolgen.
Anne Letsch, Oberärztin an der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie an der Berliner Charité, ist ein bisschen vorsichtiger: "Wir sehen Erfolge, die wir so nicht kannten. Die Immuntherapie hat ein vielversprechendes Potenzial."
Das Prinzip klingt logisch: Das Immunsystem wird in die Lage versetzt, Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen. Ein Produkt jahrzehntelanger Forschungsarbeit.

Die T-Zelle erhält das Signal: Angriff nicht notwendig

Eigentlich ist die Bekämpfung von potenziellen Krebszellen alltägliche Aufgabe des Immunsystems. Doch einige der bösen Zellen verstecken sich. Sie senden falsche Informationen aus oder bremsen das Immunsystem mithilfe bestimmter Moleküle an ihrer Oberfläche aus.
Dockt eine T-Zelle, eine Abwehrzelle, mit ihrem Rezeptor an das Molekül an, erhält sie das Signal: kein Angriff notwendig. Die T-Zellen schalten ihre Aktivität wieder ab. "Eigentlich ist das ein normales System im Körper, um gesunde Zellen vor einem Angriff der T-Zellen zu schützen", erklärt Carsten Bokemeyer, Leiter der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Sprecher des Hubertus Wald Tumorzentrums (UCCH) am UKE. "Die Tumorzellen nutzen diesen Mechanismus aus."
An dieser Immunbremse setzt eine der Immuntherapien an. Sie nutzt sogenannte Checkpoint-Inhibitoren: "Wir blockieren mit einem Antikörper die Bremse, das 'Hör-auf-Signal', entweder an der T-Zelle oder an der Tumorzelle. Dadurch wird die Abwehrzelle wieder aktiv und kann den Krebs bekämpfen", erklärt Carsten Bokemeyer. Präparate mit technologisch hergestellten Antikörpern sind bereits zugelassen oder sehr weit in der klinischen Forschung fortgeschritten.

Bei 20 bis 50 Prozent geht der Tumor zurück

Die Behandlung mit den Checkpoint-Inhibitoren hat sich bei einigen Krebsarten bereits als erfolgreich herausgestellt. Das gilt vor allem für fortgeschrittene Melanome, also schwarzen Hautkrebs, und für eine bestimmte Form des Lungentumors, das nicht kleinzellige Bronchialkarzinom. "Auch bei vielen anderen Tumorarten wie dem Magen-, Nierenzell- oder Blasenkarzinom gibt es vielversprechende Daten", sagt Carsten Bokemeyer.
Doch nicht alle immunologisch behandelten Patienten profitieren von der Therapie. Zwischen 20 und 50 Prozent erfahren eine deutliche Rückbildung des Tumors, so Bokemeyer. "Und es scheint so zu sein, dass ein gewisser Anteil dieser Patienten, etwa 20 Prozent, auch langfristig von dieser Therapie profitiert und auch nach Jahren die Krankheit noch kontrolliert, vielleicht sogar verschwunden ist."
Das heißt aber auch: Bei 50 Prozent wirkt die Therapie von vornherein nicht, bei zwei Dritteln ist der Krebs nicht auf Dauer in Schach zu halten. Zwei Theorien gibt es dazu: Einerseits könnte es auf die Oberflächenstruktur sowohl der Abwehr- als auch der Tumorzellen ankommen. Wer viele dieser Rezeptoren oder Moleküle hat, scheint besser auf die Therapie anzusprechen.

Bei einer Chemotherapie kommt der Krebs häufig zurück

Andererseits scheint auch die Art des Tumors einen Einfluss auf den Behandlungserfolg zu haben. Tumore mit besonders vielen genetischen Defekten scheinen besser immunologisch attackierbar zu sein – zum Teil also ausgerechnet jene Tumore, die mit bisherigen Methoden schwer zu erreichen sind. Doch das sind frühe Befunde.
"So richtig in Schwung gekommen ist diese Art der Therapie erst in den letzten Jahren, so dass wir bei den meisten Krankheiten Nachbeobachtungszeiträume von gerade einmal zwei bis drei Jahren haben. Was in zehn Jahren ist, kann man im Moment einfach noch nicht sicher sagen", sagt UKE-Mediziner Bokemeyer. Beim schwarzen Hautkrebs seien es immerhin schon fünf Jahresdaten.
Doch schon jetzt scheint klar, dass der Vorteil gegenüber einer Chemotherapie auch in der Nachhaltigkeit liegt: "Durch die Blockade der Rezeptoren sehen wir ein langfristiges Ansprechen auf die Therapie", erklärt Anne Letsch von der Charité.
Bei einer Chemotherapie komme der Krebs häufig irgendwann wieder zurück. Jetzt könne man den Krebs in einigen Fällen möglicherweise in eine chronische Erkrankung umwandeln. Mit dem Begriff Heilung tut sich Letsch jedoch schwer: "Ich würde eher von einer langfristigen Kontrolle sprechen."

"Wir lassen das Immunsystem frei laufen"

Und noch ein Vorteil gegenüber einer klassischen Chemotherapie: Eine Immuntherapie ist in der Regel besser verträglich – wobei sich die Nebenwirkungen je nach Art der Therapie unterscheiden. Bei der Checkpoint-Blockade treten bei etwa zehn Prozent der Patienten schwerwiegende Begleiterscheinungen auf. "Wir lassen das Immunsystem frei laufen, und es kann sich auch gegen gesunde Zellen richten", so Anne Letsch.
Die Abwehrzellen greifen dann den Darm, die Schilddrüse oder die Haut an. Folgen können Durchfall, Schilddrüsenunterfunktion oder Hautausschlag sein. Auch die Hirnanhangdrüse kann sich entzünden. "Die wesentlichen Hormonsysteme des Körpers fallen dann aus, der Patient ist total antriebslos", sagt Carsten Bokemeyer. Die Therapie müsse in diesen Fällen zum Teil für Monate unterbrochen werden, wobei wertvolle Zeit verloren gehe.
Trotzdem: "Es wird Patienten geben, bei denen die Immuntherapie die entscheidende und beste Therapie überhaupt ist", sagt Carsten Bokemeyer. "Aber bisher sieht es leider nicht so aus, als wenn diese Therapieform für wirklich jeden Patienten der große Durchbruch ist."